Auswandern für Anfänger

Auswandern kann so einfach sein

Eine Familie im Ausland gründen oder besser: Schwanger auswandern

Ich wusste bereits, dass es in einigen Ländern so war, dass die Kinder nur dreimal kontrolliert wurden in der Schwangerschaft. Mitunter sogar weniger. Also konnte ich mich auf alles gefasst machen. Ich ging zu meiner Krankenkasse und informierte sie darüber, was ich vorhatte. Ich sollte direkt noch eine Auslandskrankenversicherung abschließen und dann würde das alles gehen.

Pustekuchen. Ich hatte mich im Vorfeld schon um einen deutschsprachigen Arzt bemüht und das würde ich auch jeder werdenden Mutter empfehlen für die erste Zeit. Wenn ihr die Möglichkeit habt, dass ihr einen deutschsprachigen oder englischsprachigen Arzt in der Nähe habt, dann solltet ihr diese auch nutzen. Es gibt euch ein Gefühl von Sicherheit. Natürlich wusste ich noch nicht, wer mich da erwarten würde, aber ich konnte bereits von Deutschland aus einen Termin vereinbaren und ich war auch froh, dass es so gekommen war.

Kaum, dass wir eine Woche in unserem neuen Zuhause waren, hatte ich auch schon den Termin. Ich war wahnsinnig aufgeregt. Und ich sollte nicht enttäuscht werden. Einmal mehr wurde mir bestätigt, dass Schwangerschaft keine Krankheit sei und ich sollte alles machen, solang ich mich damit gut fühlte. Und das tat ich auch. Allerdings war ich wirklich überrascht, wie es hier ablief. Es gab nur einen kurzen Ultraschall und das war es dann auch schon. Kein CTG, dass man ja in Deutschland ab der 20. Woche machen musste. Auch eine Untersuchung untenrum. Mein Gyn war der Ansicht, wenn das Baby ok ist, dann muss man da auch nicht rummanipulieren. Wenn mir etwas auffiel, dann sollte ich auf ihn zukommen, aber ich brauchte mich wirklich an nichts besonderes halten. Gut, dazu kam dann noch, dass es hier eine monatliche Blutuntersuchung geben musste. Zunächst wurde meine Blutgruppe bestimmt, da der Test aus Deutschland nicht anerkannt wurde und dann wurde monatlich auf die Erkrankungen, wie Toxoplasmose, getestet. Also alles, was dem Baby gefährlich hätte werden können. Überraschender war allerdings für mich, dass ich mit den Behandlungskosten in Vorkasse gehen musste. Diese sollte ich mir dann bei meiner Versicherung wiederholen, aber es wäre günstiger, wenn ich mich bei der französischen Krankenkasse melden würde, dass ich auch eine gültige Karte hatte. Denn die deutsche Karte nützte mir gar nichts. Und damit begann der Papierkrieg.

Wichtig an alle die auswandern wollen, egal ob schwanger oder nicht. Ihr braucht ein wichtiges E-Formular von eurer deutschen Krankenkasse, wenn ihr dort weiter versichert sein wollt. In Europa ist es so, dass die deutsche Kasse dann alle Kosten übernimmt, die in diesem Land üblich sind. Aber in Frankreich kommt hinzu, dass man immer in Vorkasse geht und das dann wieder erstattet bekommt. Also da sollte man sich unbedingt informieren, was man alles braucht, wenn man ins Ausland geht.

Die Auslandskrankenversicherung hatte ich schnell wieder gekündigt, da sie mir nichts brachte. Dann musste ich warten, viele Anträge schreiben und mir alle Unterlagen besorgen. Ganz wichtig ist, dass man auch eine Geburtsurkunde hat. Die internationale dreisprachige, dass es nicht zu Verzögerungen kommt.

Als ich mich dann in der Klinik anmelden musste, dass ich dort gebären will, musste ich feststellen, dass es zeitlich sehr knapp sein konnte. Wenn ich keine hiesige Karte oder eine Bescheinigung der Krankenkasse hatte, durfte ich meine Kind nur da bekommen, wenn ich einen Scheck über 3000€ hinterlegte, der alle Kosten decken sollte. Mir wurde ein bisschen unwohl und ich hoffte jeden Tag, dass sich endlich die ersehnte Post im Briefkasten fand.

Endlich 12 Tage vor dem errechneten Termin hatte ich die notwendige Bestätigung in der Hand. Bis die Karte kam dauerte es noch bis weit nach der Geburt. Aber ich war beruhigt und hatte erstmal alles. Dann konnte ja meine Tochter auch kommen. Aber nix da, sie ließ sich Zeit und als ich dann einen Termin zur Einleitung hatte, dachte sie sich, dass sie einen Tag vorher kommen wollte. Ich war mit den Nerven am Ende und kann mich auch nicht mehr an sehr viel erinnern. Denn auch die PDA war nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Ich war extra zum Aufklärungsgespräch, aber in dem Moment als sie gestochen wurde, sah ich alles nicht mehr so locker.

Nach acht Stunden Wehen war mein Schatz endlich da. Und es war das schönste Baby auf der Welt. Aber halt, es ging direkt weiter. Das Baby musste ja auch auf den Behörden angemeldet werden. Wie es auch in Deutschland war. Aber hier machte es nicht das Krankenhaus, sondern der Kindsvater sollte es machen. Man hatte nur drei Werktage nach der Geburt Zeit. Wenn man sich bis dahin nicht gekümmert hatte, dann konnte man mit einer Strafe und einer hohen Geldbuße belegt werden. Also einen Tag nach der Entlassung los und alles erledigen. Auch hier sollte man sich genau informieren, wie alles abläuft. Denn auch wenn wir das Glück hatten, dass sie in der Behörde Englisch gesprochen hatten, war es nicht einfach.

Aber dann dachten wir doch, dass wir endlich Ruhe hatten. Gut die normalen Untersuchungen sollten gemacht, aber das war ja klar. Nur dass es hier nicht nur Kinderärzte gab, sondern auch eine zentrale Stelle, die das einmal im Monat machten. Ich suchte mir eine in der Nähe aus und konnte dort meine Tochter untersuchen und impfen lassen. Kein Problem, aber nach vier Wochen erhielt ich einen Anruf, dass ich nicht zum Termin gekommen war. Ich wunderte mich, denn ich war ja mit meiner Tochter zur Untersuchung und konnte das auch belegen. Ich hatte mir nur nicht die nächstgelegene ausgesucht. Also gut, hatte ich nun ab sofort dort meine Termine. War ja kein Problem. Aber auch das sollte man abklären, dass es da nicht zu Missverständnissen kommt.

In Frankreich ist es übrigens üblich, dass innerhalb der Untersuchungen nach neun Tagen, neun Monaten und zwei Jahren automatisch ein Gutachten über die Kinder und deren Entwicklung erstellt wird, dass an eine zentrale Stelle gesendet werden muss. Dadurch kann überwacht werden, ob es den Kindern gut geht und sie auch regelmäßig vorstellig werden. Das kann auch in anderen Ländern passieren.

Lustiger war eigentlich die Tatsache, dass mein Kind den Nachnamen meines Mannes tragen sollte. Aber das ist eine andere Geschichte, die gibt es dann beim nächsten Mal.

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