Wir sind ja nun nach Frankreich zu den Eltern meines Mannes bzw. meinen Schwiegereltern gezogen. Im Süden kann mehr machen als nur schön in der Sonne liegen und vor allem, was besonders wichtig ist, auch im Winter noch Grillen, weil Winter eine Definition für sich ist. Und so ist es auch mit dem Vater meines Mannes.

Er ist nun ein Mann, der viel in seinem Leben gearbeitet hat und vor allem, der sich immer für andere aufopfert. So hat er sich seinen Lebenstraum erfüllt. Ein Haus in Frankreich und vor allem ein großer Garten. Doch Gartenbau in Frankreich, besonders da, wo wir wohnen, ist vollkommen anders als in Deutschland.

Mein Schwiegervater und unser Nachbar sind immer ein bisschen in Konkurrenz. Da wir auf sehr lehmhaltigen Boden wohnen, ist es wichtig, dass der Boden ausreichend Nährstoffe hat. Das sehen unsere Nachbarn ein bisschen anders. Also besser die Nachbarin. Sie legt sehr viel Wert auf einen ordentlichen Garten, der mehr schon einem Katalog gleicht. Dafür kauft sie die Pflanzen immer schon angezüchtet im Gartenmarkt, pflanzt diese dann ein und weiß nicht, warum sie nichts werden.

Mein Mann und ich haben einen schwarzen Daumen und bei uns würde auch ein Kaktus verdursten, aber mein Schwiegervater hat da mehr Geduld und auch mehr Ahnung. Unser Garten hat zwar ein bisschen was von Weide und Kuhstall, aber bei uns wachsen die Pflanzen ohne Ende und vor allem ist unsere Nachbarin neidisch darauf. Das Geheimnis ist, dass mein Schwiegervater nicht nur keinen Dünger benutzt, sondern auch darauf achtet, dass Grasschnitt und Unkraut gleich zum Düngen genommen wird. Die Pflanzen verrotten auf den Beeten und können so den Boden anreichern. Umgraben ist sehr nützlich und das macht er auch ab und an, aber meistens von Hand.

Unser Nachbar macht es ganz einfach. Der nimmt einen großen Pflug und schaufelt den schönen nährreichen Boden, der sich nach einem Jahr gebildet hat, ganz nach unten in den Boden und holt die trockne und leblose Lehmmasse nach oben. Ende vom Lied, Wüste und traurige Erträge. Gießen ist auch sehr speziell. Sie nehmen den Schlauch und lassen aus voller Brust jeden Tag pro Pflanze zehn Minuten das Wasser laufen, Opa sprengt alles gleichmäßig. Ratet mal bei wem es wächst?

Hier hat er seine Bestimmung gefunden und viele, die von euch in ein anderes Land gehen, sollten auch dort die Möglichkeiten entdecken, die man in der Flora nutzen kann.

Da es bei uns sehr warm ist, ist mein Schwiegervater besonders stolz auf seine Bananenbäume, die auch schon Früchte tragen. Leider hat ein Sturm im letzten Jahr die große Traube zu Fall gebracht, aber in diesem Jahr war er schneller und hat ein Stützgerüst gebaut, dass das nicht wieder passieren kann. Wir sind gespannt, ob wir selbst bald Bananen haben.

Dank Opas Gartenbau können wir nur profitieren. Wir haben das ganze Jahr über Gemüse und Obst. Unsere Kinder kriegen frische Beeren, die nicht gespritzt sind oder künstlich aufgezüchtet. Erdbeeren schmecken traumhaft und alles kann frisch gegessen werden. Wir brauchen kaum Babynahrung. Außer Obstbrei, weil der kleine noch nicht richtig kaut. Aber ansonsten gibt es alles vom Tisch. Immer Lecker. Tomaten, die auch danach schmecken, Gurken und Zucchini, die so groß sind, wie man es kaum kennt und trotzdem noch schmecken. Und es macht ihm Spaß, auch wenn es viel Arbeit ist.

Das ist für alle Pflanzenfans zu empfehlen und wenn meine Schwiegermutter die Samen der Früchte sammelt und trocknet, dann können wir ohne Mehrkosten im nächsten Jahr wieder fließig ernten.

Wer weiß, vielleicht entdecken wir ja auch noch den grünen Daumen für uns. Auf jeden Fall haben wir immer was zu Essen und auch die Hasen freuen sich, wenn wieder Salat überbleibt oder die Möhren geputzt wurden.

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