Wir haben ja nun schon öfters berichtet, dass man die Inspiration des Neuen nutzen sollte und vor allem sollte man sich auch mal wieder an Projekte wagen, an denen man in Deutschland hoffnungslos gescheitert ist.

Und so ging es auch mir. Ich saß wieder mal schwanger in Frankreich, denn mein zweites Kind war schon auf dem Weg und ich musste feststellen, dass diese Schwangerschaft mir zwar keine Übelkeit bescherte, aber mein Körper war doch noch ganz schön von der ersten Schwangerschaft in Mitleidenschaft gezogen. War ja auch kein Wunder, ich hab alles gemacht in dieser Zeit. Einen Umzug, alles mitgetragen und vor allem auch den Haushalt immer allein geschmissen. Ich wollte mir gar nicht helfen lassen und nun war ich zum zweiten Mal schwanger und musste einsehen, dass ich nun doch ein bisschen Hilfe und Ruhe brauchte.

Da ich aber jeden Morgen zum Frühstück zwei Duracell-Hasen gefuttert hatte, hatte ich immer noch Energie und ich konnte nicht einfach nur auf der Couch sitzen. Ich brauchte auch was zu tun. Ich hatte mich hier in Frankreich schon mit einigen Dingen beschäftigt, von denen ich dachte, dass sie was für mich sein könnten. Ich hatte mit dem Knüpfen angefangen und auch an den Loop-Armbändern hatte ich mich versucht und hab sogar ein Mobile für meine Tochter daraus gemacht, aber irgendwie war es nicht die Erfüllung für mich. Andere haben Sachen daraus gemacht, dafür war ich wohl einfach zu blöd.

Als ich noch in Deutschland lebte, hatte ich immer viel Kontakt mit meiner Oma, die aber dann aus vielen Gründen nicht mehr so gut beieinander war und sie dann auch andere Hilfe brauchte, dass sie ihr Leben organisiert bekam. Folglich hatte ich aber in den vielen Jahren immer wieder Dinge von ihr gelernt, die nicht schlecht waren. Denn eines wurde auch in den Schulzeiten immer ein bisschen vernachlässigt. Wir haben nicht mehr viel Handarbeiten erlernt und auch so Sachen, wie stricken und häkeln hatten wir gar nicht erlernt.

Auch das Nähen. Keiner von uns hatte gelernt, wie man eine Socke stopft oder mal schnell eine Naht wieder schließt. Das hatte mir meine Oma immer ein bisschen gezeigt, dass ich mir in der Not auch mal helfen konnte. Nun hatte ich es oft mit dem Stricken probiert und hatte auch nie wirklich die Ausdauer dafür. Für Häkeln war ich irgendwie immer zu doof. Ich habe es zwar probiert und ich habe auch einige Stücke gefertigt, aber anstatt, dass es mich entspannte, wurde ich immer fuchsig, wenn ich merkte, dass wieder was nicht stimmte.

Nun saß ich aber schwanger auf der Couch und wollte einen neuen Anlauf starten. Ich hatte noch ein paar alte Nadeln und Wolle und wagte den letzten Anlauf. Ich schaute mir Videos auf youtube an und versuchte mir erstmal die Grundlagen beizubringen. Dann übte ich das und musste feststellen, dass es doch gar nicht so schwer war. Ich hatte auch das Stricken nochmal versucht, aber das gelang mir absolut nicht. Zwei Nadeln bewegen, das bekam ich nicht mehr hin, aber mit der Häkelnadel, dass machte mir nicht nur Spaß, sondern ich konnte mich auch dabei entspannen.

Mein Mann sah das nun ein bisschen anders, denn er war immer noch in der Welt gefangen, dass das ja nur alte Frauen machen, aber inzwischen stehe ich dazu, dass ich das mache und er ist jeden Tag wieder begeistert, wie ich das schon fast blind schaffe.

Also zogen wir los und suchten nach Wolle, aber es ist gar nicht einfach gewesen, dass ich was fand, was bezahlbar war, denn ich wollte ja nur für den Anfang ein paar Stücke machen, dass ich die Fingerfertigkeit lernte. Die Wolle war nicht die beste, aber ich konnte so viele verschiedenen Anleitungen ausprobieren und war der Meinung, dass ich meine Passion im Häkeln von Kuscheltieren entdeckt hatte.

Naja, gut, das war nun nicht so meins auf Dauer und ich hatte schon den ganzen Kaminsims voll gehäkelt und man brauchte es aber nicht. Also musste ich mir was anderes suchen und ich hatte das Glück, dass in dieser Zeit das Häkeln wieder als Trend auf der Bildfläche erschien. Nun fand ich viele Gruppen, die sich auch in Facebook niedergelassen haben und ich konnte mir dort nicht nur Anregungen und kostenlose Anleitung holen, sondern ich hatte auch die Möglichkeit, dass ich bei Problemen immer mal Fragen stellen konnte. In Häkeln unzensiert habe ich mich so wohl gefühlt, dass ich auch heute noch da drin bin und freue mich immer, wenn andere ihre Ergebnisse teilen.

Auch auf anderen Seiten, wie crazypatterns.net kann man immer wieder Muster und Anleitungen finden, die ich wirklich sehr inspirierend fand und wollte sie auch alle nachmachen. Nun war es aber so, dass sich in Deutschland noch ein neuer Trend verbreitete. Bobbel. Das sind Farbverlaufsgarne, wo die Fäden nebeneinander laufen und nicht so verdreht sind wie bei richtiger Wolle. Die Farbverläufe werden durch kleine Verbindungen ermöglicht, die man aber im Garn nicht sieht und auch nicht bemerkt.

Es sollte wohl komplizierter sein, weil man nun statt einem Strang gleich vier oder drei auf der Nadel hatte, aber ich konnte mich meinem Wunsch nicht erwehren und wollte auch so ein Teil haben. Das coole daran war, dass es unendlich viele Kombinationen des Farbverlaufs geben kann und das die meisten Anbieter einem die Möglichkeit geben, dass man den Verlauf auch selbst wählen kann. Dieser wird dann, wie die anderen Bobbel auch von Hand gewickelt und so hat man ein individuelles Fertigungsstück.

In Frankreich hat man diese Bobbel nicht bekommen, also musste ich auf einen Versand aus Deutschland ausweichen, dass Problem war nur, dass allein schon bei Ebay die Versandkosten riesig waren. Als aber meine Schwiegermutter auf ihren 70. Geburtstag zusteuerte, wollte ich ihr einen Überzieher fertigen mit genauso einer Wolle. Also suchte ich fleißig weiter nach Anbietern und stieß auf die Bobbel-Scheune.

Hier hatte ich mein Glück gefunden, denn ich konnte aus unterschiedlichen Wicklungen wählen und Susan Blumhofer, die den Laden betreibt versendete auch für ein annehmbares Porto ins Ausland. Ich wickelte meine erste Bestellung ab und konnte bequem per Überweisung bezahlen. Nach ein paar Tagen erhielt ich eine Mail, dass ich zu viel Versandkosten bezahlt hatte und sie würde mir das Geld mit in den Bobbel legen.

Auch so kann man zu Susan einen sehr guten Kontakt (Facebook Gruppe) pflegen und mit allen Fragen zu ihr kommen. Das nenne ich mal richtige Kundenbindung. Sie schickte mir auch Muster zu, was ich mit dem Bobbel anstellen könnte und stand mir für alle Fragen offen. Zum Beispiel, was ich an Lauflängen für bestimmte Projekte bräuchte, wenn ich sie in Angriff nehmen wollte. Ich hatte noch gar keine Kaufabsicht, weil ich erstmal eines fertig bekommen wollte und dennoch war sie super lieb und hat sich um alles gekümmert.

Ich habe dann erfahren, dass sie nach vielen schlechten Erfahrungen mit anderen Bobbel-Anbietern den mutigen Schritt gewagt hatte und hat in der Nähe von Karlsruhe ihr eigenes Geschäft auf die Beine gestellt, dass nun so gut läuft, dass sie einen Versand macht, eine Homepage besitzt und auch einen kleinen Laden unterhalten kann. Sie wickelt alles nach Eingang der Zahlung per Hand und versendet es schon am nächsten Tag. Innerhalb von fünf Tagen hatte ich meinen Bobbel und mein Rückgeld.

Leider sind meine Schränke zur Zeit noch sehr voll und ich muss erst einmal meine Vorräte verarbeiten, aber ich freue mich jetzt schon darauf, wenn ich mir mal wieder einen Bobbel bestellen kann. Und wenn ich mir meine Kombi selbst zusammenstelle und die gefällt auch der Susan, dann darf ich dem Bobbel sogar einen Namen geben und er geht auch mit ins Sortiment.Sie hat auch noch viele andere Aktionen, die ich auch mal mitmachen möchte, aber leider habe ich nicht so viel Zeit, wie ich gern hätte, dass ich an allem teilnehmen kann. Dennoch wird sie mein Ansprechpartner bleiben, weil dass ich auf so viel Zuverlässigkeit und Hilfsbereitschaft treffe, das hätte ich mir echt nicht träumen lassen.

Und so sitze ich nun in jeder freien Minute an der Nadel und mache Decken für meine Kinder, weil sie Bettwäsche nicht mögen oder bin auf der Suche nach neuen Ideen. Es entspannt mich nach einem stressigen Tag und ich habe eine gute Alternative gefunden, dass ich nicht mehr nur mit Handy und Fernsehen die Abende oder kalten Tage ausklingen lassen muss und ich bin stolz, dass ich es nun doch begriffen habe und ich mich in so einer großen Gruppe von Frauen bewege, die auch Spaß daran haben ihre Kreativität auszulassen und zu teilen.

Wer weiß, vielleicht wird ja mal mehr draus. Denn hier schätzen die Franzosen noch sehr eine qualitative gute Arbeit und zahlen auch gern etwas mehr dafür. Vielleicht kann ich aus den guten Garnen, die ich nun gefunden habe ein bisschen mehr zaubern und auch anderen eine Freude machen, die lieber ein anderes Hobby haben 😊

Damit ihr auch wisst was Bobbel wirklich sind, haben wir hier noch ein paar Bilder für euch (freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Susan Blumhofer):

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