Kinder haben gegenüber uns einen unschlagbaren Vorteil: Sie haben noch eine gesunde Phantasie. Und so lernen Kinder auch. Hier geht es um die typischen Dinge, wie Kinder lernen und dass man sie auch machen lassen sollte.



Der heiße Herd

Ein Kind kann immer wieder hören, dass der Herd heiß ist und dass das gefährlich ist. Irgendwann kommt aber der Tag an dem ein Kind auf die Platte fasst. Und dann hat es sich die Finger verbrannt. Das hat nicht nur einen Lerneffekt, denn es wird sich nie wieder verbrennen, sondern es zeugt auch davon, dass ein Kind lernt in dem es probiert. Nein, liebe Eltern es liegt nicht an der Inkompetenz eurer Erziehung oder an der Unachtsamkeit von euch. Wenn Kinder etwas probieren wollen, dann finden sie früher oder später einen weg.

So war es auch bei mir. Meine Oma hat mir immer erklärt, dass man sich am Herd die Finger verbrennen kann. Ok, soweit so gut. Ich war schon neun Jahre alt und konnte nicht verstehen, was so schlimm sein sollte, denn wenn ich darauf fasste, dann tat mir nichts weh. War auch keine Kunst. Der Herd war ja aus. Folglich wollte ich aber wissen, wie heiß der Herd werden kann. Zack Herdplatte angemacht, probiert, dass sie auch wieder ausgeht und dann hab ich es mal drauf ankommen lassen. Ich habe die Platte aufheizen lassen und dann draufgefasst. Die Folge war ne Brandblase am Zeigefinger und eine Erfahrung mehr.

Und da konnte niemand was gegen machen, außer man hätte mich an Ketten gelegt.



Spielzeug

Zu jedem Spielzeug gibt es eine Gebrauchsanweisung. Man stellt sich als Eltern hin und zeigt es dem Nachwuchs, wie es funktioniert. Was macht der Nachwuchs? Alles anders.

Nun kommt meistens, nein, das geht anders, so ist es falsch wie du es machst.

Nein, es ist nicht falsch. Es ist genauso richtig, wie es euer Kind macht. Sie wollen das Spielzeug entdecken und nicht nur die Funktion nutzen. Sie haben noch die Phantasie, dass ihnen damit auch noch andere Sachen einfallen. Lasst sie lernen. Unsere Tochter ist das beste Beispiel.

Wir haben nicht viel Wohnfläche und wenn ständig das Spielzeug herumliegt, dann kann man es auch mal nicht vermeiden, dass jemand darauf tritt und es ist kaputt. Als meine Tochter in das Alter gekommen war, dass Bausteine cool waren, hatte ich ihr welche aus Silikon besorgt. Spülmaschinenfest und immer gut zu reinigen. Und vor allem, die gehen nicht kaputt. Nun konnte sie bauen.

Ich zeigte es ihr und was machte meine Tochter. Nahm sich so einen Baustein und knetete ihn erstmal durch. Er verformte sich schön in ihrer Hand und das machte ihr Freude. Dann kaute sie darauf rum. Im nächsten Schritt räumte sie sie immer wieder in die Box, schüttete die dann aus und räumte alles wieder ein. Ein Turm hab ich nie gesehen. Vor ein paar Wochen dann nahm sie die Box wieder. Kippte die Steine aus. Ok, sie wollte sie wieder einräumen. Dachte ich. Aber sie setzte sich dazwischen und begann zu bauen. Motorisch war sie schon davor in der Lage, aber sie hatte so viele andere Ideen. Unter anderem auch die Steine zu bemalen, dass ihr das Bauen wohl zu primitiv bzw. zu Langweilig erschien.

Wenn wir unsere Kinder einfach mal machen lassen, dann entdecken sie Seiten, die wir nie entdeckt hätten. So haben sie Spaß am Lernen und verstehen und wir auch. Wenn wir unsere Kinder alles probieren lassen, dann können sie was lernen. Alles was nicht gleich das Leben kostet darf probiert werden. Und vielleicht lernen sogar wir noch was dazu.

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