Wenn wir mal an Deutschland zurückdenken, dann hatten wir meistens nur Nachbarn, wenn sie was von uns wissen wollten oder wenn sie am Fenster schauen mussten, was wir da wieder im Hof zu tun hatten. Aber heute erzählen wir euch mal, was Nachbarschaft hier bedeutet. In Frankreich.

Wie ihr schon mal gehört habt, sind unsere Nachbarn beide sehr nett und haben sich miteinander nicht mehr so gut verstanden. Aber das ist ja nun nicht unser Problem. Auf jeden Fall können wir uns noch sehr gut daran erinnern, wie wir hier unten angekommen sind und am zweiten Tag stand auf einmal der Nachbar im Hof.

Es war als würden wir schon seit Ewigkeiten hier wohnen. Es wurde kaum ein Thema daraus gemacht, dass wir nach unten gekommen waren. Interessant war nur die Schwangerschaft. Gut das ist eben ein Thema, dass Frauen immer interessiert und so haben wir auch ganz schnell alle Probleme der Schwangerschaft unserer Nachbarin erfahren. Aber das war ja nun nicht so das Problem. Denn auch als werdender Vater konnte man sich mit dem Nachbarn gut unterhalten.

Das Ding war ja auch, dass unser französisch nicht so besonders war. Und dennoch hatten wir keine Probleme uns mit ihnen zu verstehen. Es war für uns wie eine Familie und als ein paar Wochen später unsere Tochter geboren war, waren sie auch direkt zur Stelle. Aber sie wollten nur mal schauen und dann hatten sie uns wieder in Ruhe gelassen. Diskret und nicht so viel des Guten.

Auf jeden Fall haben wir uns von dem Tag unserer Ankunft hier unten immer auf unseren Nachbarn verlassen können. Gut, er vergisst manchmal ein bisschen was, aber das ist nun nicht so schlimm. Sie haben uns geholfen unser Auto zu kaufen, reparieren und bauen mit uns alles, was so ansteht. Man muss nur Fragen. Und wenn man mal eine Frage hat, dann kann man immer zu ihnen kommen. Egal ob nur ein paar eier für ein gutes Omlette fehlen oder ob der Auspuff am Auto ein Loch hat. Haben wir ein Problem, können wir zu Ihnen kommen. Und genauso ist es auch andersrum.

Es war auch für unsere Nachbarn von vornherein klar, dass wir von Ihnen unser Holz bekommen. Wir müssen eben dafür mit in Ihren Wald und dabei helfen die Bäume zu fällen und zu schneiden.

Klar kann man nun sagen das wir auf einem kleinen Dorf leben und das es dort doch normal ist. Aber wir haben in Deutschland auch in einem kleinen Dorf gelebt und hatten eher selten diese Herzlichkeit und die Hilfsbereitschaft erlebt. Ein kleines Beispiel: Wie Ihr wisst, hatten wir in Deutschland ein Haus. Das Haus oder besser gesagt, ein Teil des Hauses hatte einmal Blöderweise gebrannt. Also kam die Feuerwehr und versuchte die Flammen zu löschen. Da es ein alter Bauernhof war den wir da hatten, hatten wir auch jede Menge Stroh gelagert das jetzt in Flammen stand. Die Feuerwehr entschied sich dazu die betreffenden Gebäudeteile kontrolliert abbrennen zu lassen. Um ein überschlagen der Flammen auf andere Gebäude zu verhindern wollte die Feuerwehr von allen 4 Seiten die Flammen bekämpfen, dazu mussten sie allerdings von einem Nachbargrundstück aus löschen. Nur damit ihr euch das vorstellen könnt. Das Nachbargrundstück war ein kleiner Garten. Also einfach nur rasen, keine Blumen, keine teuren Rosen, einfach Stinknormales Gras. Also zurück zum Feuer. Die Feuerwehr rückte an und umstellte das Haus. Naja zumindest haben Sie es versucht. Denn unser lieber Nachbar (der mit dem Garten) meinte der Feuerwehr den Zugang zu seinem Garten verwehren zu müssen. Die Feuerwehrleute waren davon zwar wenig beeindruckt und hatten Ihn mit den worten „das ist höhere Gewalt“ zur Seite gedrängt, aber es war doch ein Statement.

Natürlich waren die meisten anderen Nachbarn Hilfsbereit und haben uns unterstützt wo sie  konnten, es wurde sogar ein Spendenkonto eingerichtet, aber der Nachbar fiel eben aus der Reihe. Hier könnten wir uns so ein Verhalten (also das von unserem „Gartennachbar“) nicht vorstellen.

Das, was wir hier erleben ist Nachbarschaft und nicht das Interesse, wann wer aus dem Haus gegangen ist. Denn das ist das, was wir in Deutschland erlebt haben. Und immer nur Neugier. Das ist hier nicht so. Klar sind sie auch neugierig und das ist auch jeder Mensch, aber sie sind nicht so aufdringlich. In Deutschland wurde von dem ein oder anderen Nachbar sogar aufgeschrieben wann wir aufstanden, wann wir zur Arbeit gingen und wann wir wieder nachhause kamen.

Hier in Frankreich können wir jetzt sagen, dass unsere Nachbarn uns in den letzten beiden Jahren viel geholfen, aber auch wir waren immer zur Stelle, wenn etwas war. Nun ist es zwar so, dass die beiden sich getrennt haben und er auch nicht mehr nebenan wohnt. Aber dennoch können wir immer zu ihm kommen und er kommt auch zu uns. Er hat mit uns seine neue Wohnung eingeweiht. Er hat uns gezeigt, wie sein Leben nun ist und er hat mit uns auch darüber gesprochen, was denn nun eigentlich los war. Wir konnten es verstehen. Und auch, wenn wir manchmal das Gefühl haben, dass wir ja mit beiden befreundet sind, aber nun auch nicht zwischen den Stühlen stehen wollen, haben sie es geschafft uns das Gefühl zu geben, dass wir immer noch ihre Freunde sind. Egal, was passiert ist.

Wir hören beiden zu und sind für beide da, wenn es notwendig ist. Und das macht doch eine gute Nachbarschaft aus. Man sollte nicht nur zufällig nebeneinander wohnen, man sollte sich helfen wo man kann denn nur so können beide Seiten gewinnen.

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