Einkommensteuererklärung. Ja, dieses Wort „lieben“ wir alle und wir sind immer wieder überrascht, wenn die Zeit ran ist. Von der Wiege bis zur Bahre Formulare, Formulare. Und die meisten müssen wir immer wieder beim Finanzamt hinterlassen. Aber liebe Auswanderer, habt ihr schon mal was von der Doppelbesteuerung gehört? Na dann, lasst euch mal überraschen, was man da alles beachten muss.

Wenn ihr auswandert, dann seid ihr eigentlich an dem Ort steuerpflichtig, wo ihr wohnhaft seid. Sprich in dem Land in dem ihr wohnt und gemeldet seid.

Ändern kann sich dieses Verhältnis nur dann, wenn ihr zwar im Ausland einen Wohnsitz habt, aber euer gewöhnlicher Aufenthalt noch in Deutschland ist. Das würde bedeuten, dass ihr mehr als die Hälfte eines Jahres/Geschäftsjahres in Deutschland lebt. Dann sind die Steuern auch nur in Deutschland zu entrichten.

Nehmt es uns nicht übel, das Thema Steuern ist nicht nur ein Graus, sondern auch ein Kreuz! Undurchsichtig bis ins letzte. Und dazu kommt, dass die niedergeschriebenen Steuergesetze in Deutschland mehr als 50% der gesamten Steuergesetze in aller Welt einnehmen. Wenn man also alle Bücher, die Steuergesetze enthalten zusammensammelt, dann ist der größte Teil aus Deutschland. Wir versuchen es aber so zu erklären, dass man es trotzdem noch begreifen kann.

Deutschland hat mit vielen Ländern der Welt ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen. Darin ist mit jedem Land individuell vereinbart, wie man als Steuerpflichtiger mit der Erklärung umgehen muss.

Ein Beispiel:

Ihr seid nach Frankreich gezogen und habt ausschließlich Einkünfte, die ihr in Frankreich bezogen habt. Dem zu Folge müsst ihr auch eure Steuererklärung in Frankreich abgeben. Da ihr aber auch mal in Deutschland steuerpflichtig wart, kann es sein, dass das Finanzamt eine Erklärung von euch verlangt. Dort müsst ihr nachweisen, dass ihr nur dort Einkünfte bezogen habt und dann gilt es schon als abgegolten.

Habt ihr einen Job in Deutschland oder zumindest wohnt im Ausland, bekommt aber euer Gehalt von Deutschland, dann müsstet ihr dieses eigentlich in eurem Wohnland versteuern. Aber!!! Wenn ihr mehr als 90% aller Einkünfte aus Deutschland bekommt, dann macht ihr eure Steuererklärung in Deutschland. Das hängt mit dem Doppelbesteuerungsabkommen zusammen.

Eigentlich wäre es so, dass ihr die Einkünfte im Wohnland als auch in Deutschland versteuern müsstet. Steuerliche Vorteile, wie Freibeträge, die ihr in Deutschland haben würdet, bekommt ihr aber in anderen Ländern nicht. Deshalb müsst ihr Folgendes tun. Macht die Steuererklärung in Deutschland. Dort zahlt ihr dann auch Steuern oder bekommt sie erstattet. Im gleichen Zuge müsst ihr einen Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland stellen. Somit seid ihr nur in Deutschland steuerpflichtig und das andere Land erkennt die Steuern als abgegolten an und ihr müsst nicht zweimal zahlen. Allerdings funktioniert das nur, wenn ihr auch mehr als 90% aller Einkünfte aus Deutschland bezieht.

Erinnert für diese Bescheinigung das Finanzamt in Deutschland immer mal wieder, weil es sein kann, dass ihr diese auch mal vorlegen müsst. Allerdings wird manchmal einfach vergessen, dass ihr diese Bescheinigung gesendet bekommt. Daher immer mal wieder nachfragen.

In eurem Wohnland macht ihr zwar auch eine Erklärung, aber hier gebt ihr an, dass ihr alle Einkünfte aus Deutschland bezieht und diese auch dort versteuert habt. Dann bekommt ihr einen Bescheid, der mit 0 ausgeschrieben ist und ihr müsst im Wohnland keine Steuern mehr zahlen.

Soweit so gut, aber es geht ja auch noch ein bisschen komplizierter. Das Doppelbesteuerungsabkommen ist nicht in allen Ländern gleich und vor allem auch innerhalb der EU nicht pauschal anwendbar. Sollte es nun generell auch so sein, dass ihr weniger als 90% Einkommen aus Deutschland bezieht und den restlichen Teil aus dem Wohnland, dann wird es kompliziert. Denn dann seid ihr in beiden Ländern steuerpflichtig und müsst die entsprechenden Summen separat in den Ländern versteuern. Allerdings seid ihr dann in Deutschland nur beschränkt steuerpflichtig und könnt nicht von den entsprechenden Freibeträgen profitieren und macht damit auch ein Minus.

Wenn ihr wissen möchtet, welches Abkommen in eurem Land gültig ist, dann gibt es einen Mustervertrag von der OECD, der Welthandelsorganisation. Allerdings ist dies nur eine Vorlage, die von den Ländern entsprechend ergänzt werden kann, deswegen solltet ihr genau lesen.

Wenn ihr ganz sicher sein möchtet, wie es bei euch nun geregelt ist, dann bietet es sich an, dass ihr das Finanzamt aufsucht, in dem Land in dem ihr wohnt. Sie können euch genau sagen, welche Bestimmungen für euch gelten.

Noch lustiger wird es aber, wenn ihr einen Wohnsitz in Deutschland habt, aber die Einkünfte aus einem anderen Land bezieht. In Spanien zum Beispiel erzielt ihr Einkünfte, lebt aber in Deutschland. Dann müsst ihr diese in Deutschland erklären, aber in Spanien nicht, da dies schon als abgegolten gilt. Der Grund liegt darin, dass ihr in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig seid.

Unter Umständen kann es auch möglich sein, dass diese Abkommen dazu geschlossen werden, weil Länder unterschiedliche Steuersätze haben. In diesem Falle, wie bei den USA müsst ihr damit rechnen, dass ihr in beiden Ländern zahlen müsst, wenn ihr zu gleichen Teilen Einkommen aus Deutschland und den USA bezieht. Das bedeutet nicht nur den Verlust der Freibeträge, sondern auch die Zahlung des erhöhten Steuersatzes.

So, wenn ihr jetzt noch wisst wo oben und unten ist, dann schnappt euch eure Steuererklärung und legt mal los. Es kann nur verwirrend werden. 🙂

Wir wünschen euch dabei gutes Gelingen und hoffen, dass wir euch ein bisschen helfen konnten.

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