Auswandern für Anfänger

Auswandern kann so einfach sein

Die Lebenseinstellung des Landes – Anpassung mal ganz einfach

Wenn man auswandert, dann tut man es ja nicht nur, weil man einen Lebenstraum hat, sondern weil einem vielleicht auch die Art des Lebens gefällt. Das lustige ist aber, dass viele sich dann daran nicht anpassen wollen oder können. Manchmal sind wir eben doch noch die spießigen Deutschen.

Wir haben es am eigenen Leib erlebt, hier in Frankreich. Wir haben von Anfang an bemerkt, dass hier morgen auch noch ein Tag ist. Hektik und Stress sind in weiter Ferne auch wenn man viel zu tun hat. Die allgemeine Stimmung ist sehr viel entspannter als in Deutschland. Die Menschen sind offen, freundlich und manchmal auch ein bisschen unzuverlässig, aber das bezieht sich nur auf die Zeit, ihre Arbeit machen sie trotzdem sehr zuverlässig.

Aber manches ist auch für uns nicht einfach. Wie sie in Spanien oder Mexico eine Siesta machen, so ist das hier mit dem Mittagessen. Während in den südlichen Ländern um die Mittagszeit nichts passiert und alle sich ausruhen, so wird das Essen in Frankreich celebriert. Ich will nur mal anmerken, dass die Franzosen sehr gern essen. Aber nicht viele sind wirklich übergewichtig. Und vor allem, die Franzosen essen kein richtiges Frühstück.

In Deutschland sagt man sich Frühstück wie ein König, Mittag wie ein Normaler und Abends wie ein Bettler. Und das sei gesund. Die Franzosen speisen mittags und abends ausgiebig und morgens gibt es einen Kaffee und vielleicht ein Croissant. Mehr nicht. Dafür essen sie bei den anderen zwei Mahlzeiten aber ganze Menus und es dauert mehrere Stunden.

Mittag ist Schlag zwölf. Dann sind die Strassen wie ausgestorben und alle sind essen.  Abends essen die Franzosen nicht vor acht Uhr. Es gibt erstmal einen Aperitif. Ja, Alkohol mögen sie wirklich. Davon in Maßen aber oft, wenn es geht. Warum nicht? Ich muss sagen, dass ich noch keinen prügelnden Franzosen erlebt habe, der sich betrunken daneben benommen hat. Auch wenn sie viel trinken, aber sie machen es langsam und gesittet.

Ich persönlich kann mich mit dem Frühstück und den Essenzeiten nicht so ganz arrangieren, aber wenn wir eingeladen sind, dann ist das kein Problem. Wir zu Hause machen es ganz normal wie in Deutschland auch. Aber wenn der Nachbar kommt und uns einlädt und wir haben schon gegessen, dann sagen wir nicht ab. Wir gehen trotzdem hin. Essen ist in Frankreich eben nicht nur die Nahrungsmittelaufnahme, es ist Kultur und es wird durch das Essen gemeinschaft und Lebensfreude celebriert.

Ebenso ist es mit der Einstellung dazu, dass Kinder ins Bett gehören nach dem Sandmann. Also den gibt es ja hier nicht. Aber in allen südlichen Ländern springen die Kinder bis in die Nacht auf Festen mit herum und so lang wie es hell ist, sind sie auch noch wach. Auch wenn Schule ist. Dafür beginnt die Schule auch später am Morgen. Warum nicht? Ich finde es gut, denn wir zwinge unsere Kinder auch nicht ins Bett zu gehen. Unsere Tochter darf noch ihre Bibi Blocksberg schauen, wenn wir merken, dass sie müde wird und dann machen wir alles aus und sie geht ins Bett. Das kann auch erstmal um elf sein. Ja, mein Gott, das Kind ist nicht müde. Ehe sie bis drei Uhr rumspringt, lasse ich sie müde werden. Und auch unser kleineres Kind  geht ins Bett wenn es müde ist.

Auch Kinder sind hier mehr angesehen. In Deutschland werden sie teilweise  als störend empfunden und es ist schlimm, wenn man mit ihnen abends noch baden geht. Warum? Sollen sie sich austoben. So lang ein Kind glücklich ist warum nicht?

Dafür sind die Franzosen zum Beispiel auch nicht sonderlich pünktlich und wenn man als überpünktlicher Deutscher dann kommt, kann es auch mal schnell peinlich werden, aber darüber berichte ich noch in einem anderen Post.

Ebenso ist die Grundhaltung zum Leben in vielen Beziehungen anders. Viele Länder gehen auf Arbeit um Leben zu können, in Deutschland lebt man um zu arbeiten. Es geht immer nur um Arbeit? Warum das Leben ist so schön.

Andere Sachen finde ich wieder nicht so gut, aber auch da muss man einfach mal locker bleiben. Wenn die Post heute was nicht bringt, dann eben morgen. Wenn sie in der Strasse nur einen Brief zu verteilen hätte, dann kommt sie nicht extra, sondern eben am nächsten Tag. Könnten ja Terminsachen sein, aber gut, muss man mit leben.

Und in Frankreich ist der Abend heilig. Um sieben oder aller spätestens um neun in großen Städten sind alle Geschäfte zu und nur noch die Bars und Gaststätten haben auf. Manchmal denkt man sich, ich würde schon gern mal wieder abends einkaufen gehen. Aber ist nicht lebensnotwendig und nicht unbedingt zum Aufregen gedacht.

Am coolsten ist allerdings die Einstellung zu Vorschriften. Auch da halten es die Franzosen nicht immer so genau. Aber auch dazu später. Man sollte sich nur als gewissenhafter Deutscher etwas entspannen, weil man dann nicht immer nur Angst hat, dass man erwischt werden könnte. Interessiert hier keinen Ast an der Straße. Also von daher sollte man auch das ein bisschen genießen. Natüliich werden die Gesetze schon Respektiert aber (gerade bei kleinen sachen) werden Sie schon ab und zu missachtet.

Was für uns anfangs relativ befremdlich was ist dass viele hier Jäger sind, aber in manchen Nationen leben sie ja auch davon. Damit muss man zurechtkommen. Man muss es selbst nicht machen und auch nicht gutheißen, aber die anderen einfach in Frieden lassen und nicht versuchen wollen, sie zu verändern. Auch das ist Anpassung. In dem man lernt, dass man selbst nicht perfekt ist und das andere schon immer so leben.

Und das ist in jedem Land so, da kann man nichts gegen machen. Missstände und Notstände, da kann man helfen, aber Bräuche und die Natur des Menschen sollte man genauso lassen, wie sie sind, denn das macht das Lebensgefühl auch ein bisschen aus.

In diesem Sinne, entspannt euch und freundet euch mit der Mentalität des Landes an. Sollte euch etwas an der Mentalität eures wunschlandes stören, dann ändert zu allererst mal eure einstellung und seht nicht immr alles so eng.

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2 Kommentare

  1. Reiner von Rokeslage

    28. August 2017 at 16:29

    in france „petit dejeuner“: Café au lait et Goulloise 😉

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